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Citroën - Geschichte der französischen Automarke



André Citroën wurde am 5. Februar 1878 geboren. Er war ein begeisterter Autonarr und ein guter Geschäftsmann, der kein Risiko scheute. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten die meisten traditionsreichen Autofabriken in Europa große Schwierigkeiten, Kunden für ihre Modelle zu finden. Viele überlebten diese Krise nicht. Trotzdem gründete Citroën eine neue Fabrik am Quai de Javel in Paris.



CitroŽn C 3 / 5 CV Roadster von 1924 (Foto: www.dyna.co.za)



Citroën C 3 / 5 CV Roadster von 1924. Mit dem Modell führte Citroën die Ratenzahlung beim Autokauf ein. Bei Fiat hatte man gleichzeitig dieselbe Idee.
(Foto: www.dyna.co.za)



1919 wurde in Paris der erste Citroën gebaut, den man schlicht Typ A nannte. Das Vehikel hatte 18 PS und einen 1,3 Liter Motor mit vier Zylindern. Das Verkaufsdatum des ersten Citroën ist überliefert: das war am 4. Juni 1919. Dem Modell A folgte bald ein etwas stärker motorisiertes Auto, das Citroën A Sport nannte.



Während andere, etablierte Firmen und Konstrukteure am Alten hängen blieben, Autos anboten, die technisch überholt waren oder ihrer Zeit zu weit voraus waren, suchte Citroën den Weg zum Erfolg.



André Citroën bereiste zu Studienzwecken die USA. Die USA waren weltweit führend im Automobilbau. Sofort erkannte André Citroën die Vorteile rationeller Massenfertigung und organisierte seine Fabrik nach amerikanischem Muster. Sein Erfolg gab ihm Recht: im Juni 1921 wurde der Citroën Typ B 2 vorgestellt - innerhalb von fünf Jahren wurden rund 90.000 Autos von diesem Typ gebaut und verkauft.



Das waren Stückzahlen und Verkaufserfolge, wie Henry Ford
sie in den USA mit dem T-Modell erzielt hatte. Auch die nächsten Modelle von Citroën wurden Verkaufserfolge:



Der Typ B 12 wurde von 1925 bis 1927 in 38.000 Exemplaren gebaut. Vom B 14 (1926 bis 1928 liefen 120.000 Stück vom Band.



Während andere Automobilhersteller Absatzprobleme hatten, errichtete André Citroën ein Montagewerk nach dem anderen in Europa, in Brüssel, Mailand, Köln und im britischen Slough.



1926 war Citroën Marktführer in Frankreich: von rund 600.000 in Frankreich neu zugelassenen Automobilen kamen ungefähr 175.000 aus dem Citroën-Werk.



CitroŽn C 3 / 5 CV Roadster von 1924 (Foto: www.dyna.co.za)



Bald wechselten auch bei Citroën die Typenbezeichnungen. 1922 erschien der 5 CV. Das Auto war nach damaligen Maßstäben ein Kleinwagen, hatte 11 PS, war aber nach der französischen Steuergesetzgebung als 5 PS deklariert. Die unterschied damals zwischen der tatsächlichen Leistung und den zu versteuernden Pferdestärken, das waren eben 5 PS, oder französisch 5 CV (cheval vapeur). Den 5 CV soll Opel in Deutschland übrigens abgekupfert haben und als Vorbild für den grünlackierten Laubfrosch genommen haben.



1928 erschienen die ersten großen Limousinen mit neuen Typenbezeichnungen, AC 4 und AC 6. André Citroën - stolz auf seine Leistung und seinen Erfolg kürzte nun die Typenbezeichnungen nach seinen Initialen ab - AC stand natürlich für André Citroën, die Ziffern dahinter gaben an, wieviele Zylinder das Modell hatte.



(Foto: zeitgenössische CitroŽn Werbung von 1929) Copyright: www.citroen.de



Citroën war ein erfolgreicher Newcomer im Autobau, 1929 warb er mit den jährlich produzierten Autos, 300.000 waren es bis 1929.



Diese Autos waren technisch sehr modern, robust und komfortabel. Dasselbe galt auch für die Nachfolgemodelle C 4 und C 6. Legendär waren die vibrationsarmen Motoren, die ab 1932 auf dämpfende Gummiböcke montiert wurden.



Andere Firmen litten unter der Weltwirtschaftskrise, Citroën setzte jedoch auch von den Modellen C 4 und C 6 bis zur Jahreswende 1933/34 gute 300.000 Stück um, die meisten davon vom Typ C 4 (ca. 240.000 Stück).



Freundschaftlicher Verkehr gehörte in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts noch zum guten Ton. Im März 1933 lud Louis Renault André Citroën zur Besichtigung seiner Fabrikhallen ein. André Citroën enstchloss sich daraufhin, seine Fabrik am Quai de Javel zu modernisieren.





Gleichzeitig wurde bei Citroën ein neues Modell entwickelt, das bei seiner Vorstellung in der damaligen Fachpresse Aufsehen erregte wie kaum ein anderes.



Dieses Auto wurde als Modell 7 in den Versionen A, B und C angeboten, von dem es auch Varianten mit stärkeren Motoren gab, die man Modell 11 nannte.



Revolutionär an diesem Auto waren die selbsttragende Karosserie und der Vorderradantrieb. Besser bekannt ist dieses Automobil unter dem Namen Traction Avant (französisch für Vorderradantrieb). Die Liebhaber französischer Filme und Kriminalfilme kennen das Auto auch als "Gangsterlimousine". Auch vom Traction Avant baute Citroën sehr große Stückzahlen, bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren es ungefähr 240.000 Stück.



Mit dem Traction Avant begann auch ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses Citroën. Die Modelle der Zwanziger Jahre hatten nur eine Bauzeit von wenigen Jahren, den Traction Avant baute Citroën bis zur Mitte der 50er Jahre. Dann löste die Baureihe ID / DS 19 / 21 die "Gangsterlimousine" ab und auch diese Baureihe sorgte für Aufsehen in der Autowelt.



Apropos "Gangsterlimousine": den Traction Avant baute Citroën als Limousine, Roadster und Kabriolett. Eine Variante war 1924 der Typ 22 mit V-8 Motor. Die Prototypen des Typ 22 wurden mit Ford-Motoren ausgerüstet, die Serienmodelle mit 100 PS starken Motoren, die bei Citroën gebaut wurden und für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h sorgten.



Den Frontantrieb mit seinen Problemem zum Untersteuern bei flotter Kurvenfahrt hatte man in den 30er Jahren noch nicht im Griff. Möglicherweise trugen die Citroën Typ 22 dazu bei, dass die Automobilpresse noch in den 60er Jahren starke Zweifel an der heute üblichen Konzeption "Motor vorn - angetriebene Achse auch vorn" hegten.



Citroën baute in den 20er und 30er Jahren nicht nur PKW, sondern auch Busse und Nutzfahrzeuge. Entwickelt wurden diese Fahrzeuge aus den Modellen B und C. Während andere Firmen dem Dieselmotor skeptisch gegenüber standen, war man bei Citroën ganz anderer Meinung und nutzte bald Dieselmotoren für den Antrieb von Nutzfahrzeugen.



Andere Firmen profilierten sich im Rennsport, Citroën versuchte die Zuverlässigkeit seiner Fahrzeuge durch extreme Belastungen unter Beweis zu stellen. Schon in den 20er Jahren baute Citroën Autos, die gummibereifte Räder an den Vorderachsen und hinten einen Kettenantrieb hatten. Bei spektakulären Expeditionen bewiesen diese Autos ihre Zuverlässigkeit und Belastbarkeit.



(Foto / Copyright: www.citroen.de)



Citroën Kegresse, einer der ersten Prototypen von 1921 mit Adolphe Kegresse am Steuer. Diese Fahrzeuge wurden von 1921 bis 1937 gebaut.



Für die Wüstenexpeditionen und Afrikafahrten wurden Serienautos vom Ingenieur Kegresse geändert und mit Halbketten versehen. Die Autos vom Typ 2 hatten 20 PS und einen modifizierten Kühler, wegen der hohen Temperaturen in Afrika. Die berühmtesten Fahrten waren die Croisière Jaune und die Croisière Noire. Letztere wurde zwischen Oktober 1924 und August 1925 durchgeführt. Sie führte von Colomb-Béchar in Nordafrika bis zur Ostküste und nach Madagaskar. Acht Fahrzeuge starteten. Man konnte auf den Erfahrungen der Saharaexpedition aufbauen, an der fünf Fahrzeuge teilgenommen hatten.



Zeitgenössisches Plakat zur Croisière Jaune. (Foto / Copyright: www.citroen.de)



Die Croisière Jaune wurde 1931 und 1932 gefahren. Sieben Halbkettenfahrzeuge vom Typ C 6 (Sechszylinder) starteten am 6. April 1931 in Peking. Im Hochland traf man auf die zweite Gruppe. Das waren sieben Fahrzeuge vom Typ C 4 (Vierzylinder), die am 4. April 1931 von Beirut aus gestartet waren. Nach etwa 12.000 km Fahrt für jede Gruppe trafen sich die beiden Gruppen im Oktober in Nepal.



Die dritte berühmte Expedition war die Croisière Blanche von 1934. Sie war jedoch keine offizielle Werksfahrt von Citroën, sondern wurde von Privatleuten veranstaltet, die wieder mit Citroën-Halbkettenautos starteten. Das Projekt, den Nordwesten von Kanada und Alaska zu durchqueren scheiterte jedoch, die Fahrer mussten aufgeben und ohne ihre Autos nach Edmonton zurückkehren.



Nach 1930 wurden solche Automobile von Citroën auf noch härtere Belastungsproben gestellt. Eine Fahrt führte von Beirut in Nordafrika bis Peking in China. 1934 wurde ein Kettenfahrzeug von Citroën für eine Polarexpedition eingesetzt.



(Foto / Copyright: www.citroen.de)



Citroën Kegresse von 1933. Dieses Fahrzeug wurde 1933 im Werk Köln gebaut und an die Deutsche Reichspost ausgeliefert.



In den 30er Jahren wurde die Zuverlässigkeit von Citroën-Automobilen bei Langstrecken-Rekordfahrten von 10.000 bis 100.000 Kilometern unter Beweis gestellt. Ein Citroën vom Typ C 6 wurde bei einer solchen Rekordfahrt 134.866 km mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 104 km/h auf der Rennstrecke in Monthlèry gefahren. Die Rekordfahrt wurde wegen des Bruchs eines Zahnrades abgebrochen.



Citroën veranstaltete auf dem Motodrom in Monthlèry noch andere Rekordfahrten. Ein Sechszylindermodell fuhr dort 14 Weltrekorde, darunter die Distanz von 25.000 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 105 km/h. Am 15. März 1934 ging ein Citroën zu einer Nonstopfahrt von 300.000 km auf die Rennstrecke. Die Rekordfahrt dauerte viereinhalb Monate und endete mit 106 Rekorden.



Nun bot André Citroën jedem anderen Konstrukteur eine Million Francs, wenn dessen Wagen diesen Rekord brach. Kurz danach erhöhte André Citroën den Einsatz auf drei Millionen. Kein Hersteller und Konstrukteur ließ sich darauf ein!



André Citroën starb am 3. Juli 1935 nach langer Krankheit. Innerhalb von nur 16 Jahren hatte er eine Automobilfabrik gegründet, die bis zu seinem Tode erfolgreicher als viele traditionsreichere Autohersteller in Europa wurde.